MBA-Fernstudiengänge

Stimmen der Absolventen

Frau Silvia Leutze
  1. Wie ist ihr Werdegang? Könnten Sie uns vorab etwas zu Ihrer Karriere bzw. Ihrem beruflichen Werdegang erzählen?

    Nach Abitur und privater Fremdsprachenschule (3-sprachig) mit Wirtschaftsfächern erwarb ich meine Praxiskenntnisse in der Exportabteilung von Leitz in Stuttgart-Feuerbach. Zwei Jahre später wechselte ich als Teamleiterin in die Vertriebsabteilung von L’Orange in Stuttgart-Zuffenhausen. Dort war ich mit einem Team von knapp 10 Mitarbeitern für die Vertriebsaktivitäten mit allen ausländischen Kunden zuständig. Das B2B-Unternehmen entwickelt, produziert und verkauft Einspritzsysteme und –komponenten für Großdieselmotoren (Schiffs-/Bahn-/Generatormotoren). Innerhalb von 10 Jahren entwickelte sich das Geschäft und ich mich persönlich stets weiter. Dann kamen nacheinander unsere beiden Töchter zur Welt, und ich reduzierte meine Berufstätigkeit. Nebenberuflich arbeitete ich als Simultandolmetscherin und mit steigender Selbständigkeit unserer Kinder auch wieder stärker im Vertrieb bei L’Orange. Ich beschloss, meinen kompletten Wiedereinstieg gut vorzubereiten und fand die idealen Bedingungen und Inhalte dafür beim Fernstudiengang MBA Marketing Management in Zweibrücken. Einzige Hürde: Ich hatte keinen Bachelor oder sonstigen Hochschulabschluss. Dafür die Chance, den Einstieg über einen Vorkurs zu schaffen. Mein Ehrgeiz war geweckt. Ich schaffte diesen und auch den anschließenden MBA Studiengang, sogar mit Auszeichnung und einem Preis der Kreissparkassen-Stiftung Kaiserslautern.
     
  2. Was machen Sie aktuell beruflich? 

    Hat sich das Studium für mich „gelohnt“? Ja, das hat es in der Tat. Ich bekam mit dem Abschluss eine wie maßgeschneiderte Stelle im Vertrieb bei L’Orange im Bereich Business Development, inklusive Marktanalysen, Strategieentwicklung… 
    Die Anforderungen waren in dieser Richtung stets höher geworden, und ich konnte meine neu erworbenen Qualifikationen super einsetzen. Eine klassische Win-Win Situation. 
    Nach einer Neuorganisation im Vertrieb verantworte ich nun den weltweiten Ersatzteilvertrieb bei L’Orange, mittlerweile Woodward L’Orange mit zwei Teams und knapp 20 Mitarbeitern sowie in einer Matrix mit weiteren Teams in USA und China. Mein Fokus ist das Thema Strategie. „Senior Manager Aftermarket Network“ steht auf meiner Visitenkarte.
     
  3. Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus? Was heißt das in der Praxis?

    Wir verkaufen Ersatzteile und Dienstleistungen für Einspritzausrüstung in Großdieselmotoren auf der ganzen Welt. Das braucht operative und strategische Planungen und Controlling, Management und Ausbau einer Händlerorganisation, Vertragsverhandlungen, Kunden – und Partnerbetreuung vor Ort und auf Messen, Steuern und Arbeit in Projekten im Rahmen der 4Ps der Strategieinstrumente : Products, Prices, Places and Promotion. Heißt Portfoliomanagement, Preisstrategie, Distributionsstrategie, Logistikprojekte… Wir arbeiten in Teams, was die Führung von Mitarbeitern einschließt. Man muss Menschen und Zahlen mögen in meinem Job. Immer offen für Neues und für die Welt um uns herum, für Menschen verschiedener Kulturen. Wir können die Welt nur gemeinsam verändern, und das erfordert auch immer wieder, mit kulturellen Unterschieden umzugehen und umgehen zu lernen. Ich lerne auch heute jeden Tag dazu, was sehr spannend ist. 
     
  4. Warum haben Sie sich für ein MBA Marketing-Management an der Hochschule Kaiserslautern entschieden?

    Ich wollte eine anspruchsvolle wissenschaftlich- und praxisorientierte Weiterbildung im Bereich Strategisches Marketing Management. Es sollte nebenberuflich möglich sein, und ich hatte keinen Abschluss als Bachelor oder Betriebswirt.  Das hat alles genau so gepasst an der HS Kaiserslautern im Rahmen meines MBA-Fernstudienganges
     
  5. Wie sind Sie auf das Studium aufmerksam geworden?

    So wie man die perfekte Reise findet. Mehrere Abende googeln und vergleichen. Dann Kontakt aufnehmen und merken, das könnte es sein. Anmelden und starten und schnell merken: Das passt! 
     
  6. Wie läuft bzw. lief das Fernstudium zeitlich und organisatorisch für Sie ab?

    Nach der Wirtschafts- und Finanzkrise wurden bei uns im Unternehmen die Überstunden zurückgefahren. Ich hatte damals familienbedingt sowieso einen Teilzeitvertrag und konnte mir dadurch Zeit freischaufeln, die ich dann komplett für das Lernen genutzt habe.
    Jede freie Minute war von nun an verplant. Ich hatte ja nebenbei auch noch Familie mit zwei Schulkindern. Samstags war auch Lerntag. Die zwei oder drei Präsenzen pro Semester an der Hochschule genoss ich besonders. Da wurde das Studium „real“ mit Hörsaal und Professoren, mit Studienkollegen und persönlichem Austausch. Teamarbeit lief über Skype-Konferenzen und ansonsten muss man definitiv selbstdiszipliniert sein. Ich habe mir den Stoff eingeteilt und konsequent durchgearbeitet. Habe beim Skiurlaub gepasst und hatte ansonsten im Urlaub stets Skripte dabei. Geschenkt bekommt man den Abschluss nicht, aber es ist machbar. Und wichtig fand ich, dass mich die Inhalte sehr interessiert haben – nicht nur der Titel.
     
  7. An welche/s Vorlesung/Seminar erinnern Sie sich besonders gerne zurück und warum? Welche Dozenten haben Sie positiv beeindruckt und warum?

    Die Frage ist nicht so einfach. Ich hatte nach dem Abi die Fremdsprachen-Schiene eingeschlagen, angereichert mit Wirtschaftsfächern. So richtige Mathematik wie früher war das nicht mehr, und das hatte mir eigentlich auch immer Spaß gemacht. Diese Challenge fand ich dann spätestens in Statistik bei Prof. Piazolo wieder. Die eigentliche Bedeutung wurde mir erst im Rückblick so richtig klar. Als Betriebswirt im Vertrieb bekommt man immer wieder unterschwellig zu hören: „Da muss man nur gut reden und präsentieren können.“ Auch wenn wir wissen, dass das nicht so ist. Aber mit statistischen Berechnungen kann man doch auch so manchen Techniker und Ingenieur „gewinnen“.
    Ich fand es darüber hinaus sehr bemerkenswert, dass ich bei Fragen zu statistischen Themen, in denen ich absolut nicht weiterkam, Herrn Prof. Piazolo anmailen konnte und konkrete, hilfreiche Antworten bekam. 
    Eine Szene wird mir stets im Gedächtnis bleiben: bei der Vorstellung meiner Arbeit zum Ende des Vorsemesters saßen mir die Herren Prof. Ruda und Eberle gegenüber. Es lief ganz gut und es war eigentlich klar, dass ich es geschafft hatte und in den MBA einsteigen konnte. Sie gaben mir damals mit, dass „wenn Sie jemals Schwierigkeiten bekommen während des MBA Studiums, die Sie alleine nicht bewältigen können, melden Sie sich. Wir sind für Sie da“.
    Ich habe es nie gebraucht, aber bin heute noch beeindruckt von dieser Geste!!
     
  8. Was war für Sie bisher am interessantesten, welche Inhalte können Sie direkt in ihrem beruflichen Umfeld einsetzen?

    Mit einem Team zusammen haben wir die Balanced Scorecard bei L’Orange eingeführt (wie oft habe ich an Sie gedacht, Herr Prof. Ruda!). Zur Einstufung und Weiterentwicklung von Partnern nutze ich SWOT-Analysen, die ich weiterentwickelt habe. Die Kundenbefragung mit zig Seiten statistischer Auswertungen wurde wiederholt, Umsatzentwicklungen und –prognosen sowie Ersatzteilplanungen riefen nach statistischen Berechnungen. Im Bereich Reporting und Bewertung von Wettbewerbern oder Benchmarkanalysen begegnen mir sämtliche Finanzkennzahlen, die ich im Studium kennengelernt habe.
    Daneben ist interkulturelles Management in unserer globalisierten Welt ein tägliches Brot. 
    Ich glaube, es gibt fast nichts, was ich nicht in der einen oder anderen Form, mehr oder weniger intensiv nutzen konnte.
     
  9. Konnten Sie mit ihrem Studium/Abschluss einen anderen beruflichen Weg einschlagen oder einen Karrieresprung machen?

    Wie oben beschrieben, habe ich meine weitere berufliche Entwicklung vor Beginn des Studiums mit meinem Chef besprochen und auch deshalb das Profil Marketing Management mit den dort beschriebenen Inhalten gewählt. So war mit dem Abschluss in der Tasche die Stelle so für mich bereit, und ich konnte mich nahtlos dort weiter entwickeln. Ich wurde stellvertretende Vertriebsleiterin und Mitglied im Führungsteam der Firma, als eine von drei Frauen unter knapp 50 Männern.
    Jeder von uns ist heute auch interdisziplinär gefordert. Die Arbeit an den Schnittstellen ist sehr wichtig und wertvoll und unterscheidet meines Erachtens sehr gute von guten Unternehmen.  An diesen Schnittstellen war und bin ich in interdisziplinären Teams „Frau Vertrieb“ oder „Frau Strategie“. Außerdem Gesprächspartnerin von externen Partnern und Beratern, sowie von Vorständen, auf Augenhöhe, was meine Fachgebiete angeht. Das wäre ohne dieses Studium so nie möglich gewesen.
     
  10. Was sind Ihre weiteren Karrierepläne? 

    L’Orange wurde vor knapp 2 Jahren von Woodward übernommen, einem amerikanischen, börsennotierten Unternehmen. Welche Herausforderungen hier alleine schon in den Unternehmenskulturen (1.000 MA vs. 6.000 MA; deutsch-amerikanisch….) zu bewältigen sind, kann sich sicher jeder vorstellen. An der Bewertung des strategischen Potenzials des M&A Prozesses war ich von Anfang an beteiligt. Dieses Potenzial nun „auf die Straße zu bringen“, die Strategie umzusetzen, ist ein oft unterschätzter Part bei Übernahmen. Hier eine entscheidende Rolle zu spielen in einer Position, die mir denselben hohen Grad an Gestaltungsmöglichkeit bietet wie bisher in der kleineren Einheit und dabei noch die aktuelle Krise mit Erfolg zu bewältigen und stark daraus hervorzugehen, das erscheint mir Herausforderung und Karriere genug.
    Immer wieder begleite und betreue ich neben meiner Vertriebstätigkeit Studenten in ihrer Praxisphase und bei Arbeiten. Meine Erfahrungen weiterzugeben an die nächste Generation, junge Menschen dabei zu fordern und zu fördern, gibt meiner Tätigkeit noch einen tieferen Sinn – und es macht mir einfach Spaß. 
     
  11. Weitere Anmerkungen?

    Ein Geschäftsführer sagte einmal zu mir, ich hätte meinen Weg und diese Karriere sicher auch ohne das MBA-Studium machen können.
    Ich glaube zwar auch, dass der Titel selbst vielleicht nicht notwendig gewesen wäre, das Studium an sich dagegen schon. Da musste ich ihm widersprechen.
    Zum einen sollte man auf einer höheren Unternehmensebene den „Slang“ verstehen und damit umgehen können, was Ebit-Margen, SWOT-Analysen, benchmarking …. bedeuten.
    Zum anderen bekamen wir im Studium oftmals nur ein Thema und mussten daraus eine Arbeit machen, d.h. Themen problematisieren, strukturieren, kreative Bewertung- und Lösungsansätze selbst erarbeiten.
    Genau das ist sehr oft mein Berufsalltag. „Umsatzrückgang im Segment XY – Was tun wir/Sie?“ Strukturiert analysieren, Lösungsansätze erarbeiten und präsentieren – selbst ist die Frau!